Wenn BDSM unter die Haut geht – Cutting

Jeder kennt diese jungen Leute mit den Ritzspuren am Arm. Das klingt jetzt vielleicht überheblich, aber ich habe Mitleid mit ihnen. Diese Menschen sind seelisch so gequält, dass sie keinen Ausweg mehr sehen, und mit einer Rasierklinge sich teilweise tiefe Schnitte in Ober- und Unterarm, die Beine oder den Bauch machen. Dabei entstehen kleine, blutende Schnitte, die meist in ein paar Tagen wieder verheilen. Allerdings können mit der Zeit bleibende Spuren entstehen. Diese Menschen nennt man bei uns hier Ritzer. Das hat mit der BDSM-Technik des Cutting nichts zu tun.

Ein weiterer bizarrer Trend ist das Cutting beim Tättowierer. Hier werden Muster oder Bilder mit Hilfe einer Rasierklinge oder Skalpell in die obersten Hautschichten geritzt. Ähnlich wie bei einer Tättowierung, nur ohne Farbe. Als Nachbehandlung wird Zitronensaft empfohlen um die Haut noch mehr zu reizen, um so eine möglichst exakte Narbe zu erzielen. Sehr schmerzhaft, und bestimmt nicht ungefährlich!

Das nur als Vorwort. Denn was ich heute schreibe, ist eine Praktik, die relativ selten praktiziert wird, jedoch in fast jedem Fragenkatalog aufgeführt ist. Dabei ist die Klientel, die das Cutting passiv oder aktiv ausführt von 18 – 80 Jahren weit gefächert. Manchmal wird das Cutting auch als Skarfing bezeichnet, je nachdem welches Werkzeug verwendet wird. Cutting (engl. schneiden) wird meist mit Messer oder Skalpell ausgeführt. Beim Scarfing (engl. schnitzen) geht es um größere Hautstellen, ähnlich wie beim Kürbisschnitzen, und ich würde fast Häuten dazu sagen.

Ich persönlich habe panische Angst vor Nadeln und überhaupt kann ich Blut nicht sehen. Als Köchin habe ich mich öfter in den Finger geschnitten; was nicht nur höllisch weh tat, sondern auch sehr langsam verheilte. Deshalb würde ich von dieser Praktik immer sehr großen Abstand halten. Das soll jetzt weder wertend, noch verurteilend rüber kommen. Für mich ist Bloodsport überhaupt nichts! Alles was bleibende Spuren hinterlassen könnte, und Rückschlüsse auf mein Sexleben zulässt, lehne ich eben ab. Schließlich habe ich Freunde die ich sehr mag, die das nicht verstehen würden. Ich denke es ist halt schwierig wenn man so etwas betreibt, noch den Anschein zu wahren Stino zu sein. Man wird schnell verurteilt, und wenn es nur ist, dass die Leute denken man hat einen an der Klatsche, weil man sich ritzt. Wie gesagt: ist nicht wertend, sondern nur das, was Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung darüber denken.

Selbstverständlich gibt es genügend Leute, die auf so extreme Sachen im BDSM total abfahren. Ich habe hier auf wordpress zwei Autoren gefunden, die sich damit näher auseinander gesetzt haben. Lisa Skydla hat ihre persönlichen Erfahrungen hier geteilt, und im BDSM-Lexikon wird der Begriff näher erläutert.

Beim Cutting geht es prinzipiell darum, den Körper des Sub zu kennzeichnen. Dabei wird sehr viel Mühe und Sorgfalt aufgewendet. Es ist nicht einfach ein Ritzen, wie man die Initialen in einen Baum ritzt. Viele Doms überlegen sich sehr gut wie es aussehen soll. Schließlich ist es ein Leben lang da. Natürlich gibt es auch cuttings, die keine Narben hinterlassen. Wie in dem oben genannten Beispiel wird die Sub nur angeritzt. Die Spuren des Spiels sind nur temporär.

Der Schmerz ist essentiell bei einem masochistischen Partner. Ich persönlich bin immer noch der Meinung, wenn man lange genug dem Masochismus frönt, wird der Körper immer schmerzunempfindlicher. Und nach einer gewissen Zeit ist es kaum noch steigerbar, um Lust zu empfinden. Dieser spezielle Lustschmerz muss dann durch extremere Spiele wieder hergestellt werden. Und da kann ich mir sehr gut vorstellen, dass ein BDSM-Paar anfängt mit Cutting.

Dazu gehört sehr viel Vertrauen. Denn man stelle sich vor, der Sub schreckt zurück. Dann würde das Messer viel tiefer einschneiden als geplant, und die Wunde wäre größer. Ich hatte mal einen Dom, der wollte das auch „mal ausprobieren“. Er nahm ein Messer, und fuhr mir an der Seite damit hoch. Allerdings war ich so panisch, dass ich kaum atmen konnte. Alles in mir zog sich zusammen. Das war weder erotisch, noch entspannend. Deshalb mein Tipp: lass Dich nicht zu etwas überreden, das Du nicht willst. Niemals!!!

Leider gibt es viel zu viele schwarze Schafe, die sich als Dom bezeichnen. Ich habe hier schon so häufig darüber gewettert. Diese Menschen sind wirklich gefährlich. Leute, die nie etwas mit BDSM zu tun hatten, und nur mal ausprobieren wollen. Oder noch schlimmer, Sadisten die ihre Befriedigung aus dem Schmerz ihrer „Opfer“ ziehen. So einem Sadisten ist es egal, ob Du Lust empfindest. Er weidet sich an Deiner Angst, und Panik. Und je extremer Deine Reaktion, desto weiter wird er gehen, und desto weniger wird er gewillt sein, damit aufzuhören. Deshalb keine Experimente. Kenne Deinen Dom. Vertrauen ist das Schlüsselwort.

Selbst wenn Du sagst: hey, ich ritze mich, wie schlimm kann es da werden?! Sehr viel schlimmer! Wenn Du selbst ritzt, hast Du die „Waffe“ in der Hand. Du bestimmst Tiefe, Schmerz, Stelle. Beim Cutting gibst Du völlig die Kontrolle ab. Und nicht nur das. Es ist brandgefährlich. Egal ob Du Erfahrung beim Ritzen hast, oder noch nie etwas mit Cutting zu tun hattest. Es kann immer eine Narbe bleiben. Du kennst das doch selber: manchmal schneidest Du Dich, und es verheilt ohne Spuren; dann wieder stößt Du Dich an, blutest ein wenig, und zurück bleibt eine unschöne Narbe. Das kann man nie vorhersagen. Auch kann man nie vorhersagen wie der Körper reagiert. Nicht jeder Tag ist gleich. Heute tut es vielleicht nicht weh, morgen kann der Schmerz unerträglich sein. Es ist immer anders. Und nochmal, ganz wichtig: Versorge Deine Wunden. Egal wie klein der Schnitt ist. Desinfiziere! Nicht nur die Wunde, sondern auch das Werkzeug. Achte auf eine saubere Umgebung. Schließlich ist Blut ein Überträger, und eine offene Wunde, wie klein sie auch sein mag, kann sich entzünden. Ich sage nur: Blutvergiftung. Und damit wäre das Spiel dann plötzlich tödlich!

Es wird immer einen Punkt geben, an dem Du Stop sagen möchtest. Thema Safeword. Eigentlich eine gute Überleitung. Denn darüber könnte ich das nächste Mal schreiben. Wenn es wieder heißt: Tine Schmaus hat Spaß mit BDSM…..

Veröffentlicht von tineschmaus

Vielseitig und Vielschichtig. Gedankenverloren und Gehirnakrobatisch. Steckt in keiner Schublade oder konservativem Denken fest. Guckt gern über Tellerränder und mit wachen Augen in die Welt. Ja, mich gibts wirklich. Nein, ich werde mich weder ändern noch verbiegen. Meine Freunde lieben mich, meine Feinde können mich....!

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