Jedem seinen Fetisch oder auf was stehst Du?

Wenn ich Motorrad fahre, trage ich am liebsten meine Lederhose. Die ist bequem und fühlt sich gut an. Nein, ich trage außer Unterwäsche nichts drunter. Warum auch? Ist ja nicht so wie bei einer „Plastikhose“ dass die schubbert, und ich mir alles aufreibe und am Oberschenkel eine Allergie bekomme. Er guckt mich an: Du hast einen Lederfetisch. Nein, habe ich nicht. Wie kommst Du da drauf? Das ist doch ganz irre!!!! Ich bin doch nicht pervers. Ich mag einfach das Leder auf meiner Haut, und es ist bequem. Da müsste ja jeder Biker ein Fetischist sein.

Eine Welt voller leidenschaftlicher Biker in Lederklamotten. Und plötzlich habe ich die Village People im Ohr mit YMCA. Verdammt, dieses Kopfkino. Warum ist das so? Was geht in einem Menschen vor, der einen Fetisch hat? Ist das ansteckend? Ist das psychisch krank, oder ganz normal? Haben wir vielleicht sogar alle einen Fetisch? Und was ist das überhaupt? Ich habe mir diese Frage schon öfter gestellt, und letztens einen Artikel von Autoringewürztmitherz gelesen, der sich genau damit beschäftigt. Ich stimme vielem zu, muss allerdings auch oft den Kopf schütteln, weil ich das so garnicht empfinde. Für mich ist Sex was ganz natürliches. Deshalb ist es für mich ganz normal, dass jeder eine andere Empfindung hat, und jeder ihn anders lebt und auslebt. Was für meine Freundin pervers und unnormal ist, kann für einen anderen Menschen erfüllend und befriedigend sein. Wenn ich mit meiner Mutter über Sex rede, ist es noch schlimmer – und sie redet sehr viel und gerne über Sex.

Deshalb fangen wir mal ganz unkonventionell an, und dröseln das Wort Fetisch auf. In Westafrika bezeichnet man heilige Mächte oder persönliche/unpersönliche Zauberwesen als Fetisch. Es hat was mit Voodoo zu tun, und gilt dort als Religion, dem Fetischismus. Fetischismus ist eine Wort-bildung zu Fetisch, von „unecht“, „künstlich“, „nachgemacht“ oder „Zauberei“, „Hexerei“ heißt es dazu auf wikipedia. Wenn man in der Enzyklopädie „sexuellen Fetischismus“ eingibt, erhält man dagegen ein wahres Feuerwerk der Theorien. Leider wird auch dort Fetischismus als behand-lungsbedürftig und als sadomasochistische Subkultur verteufelt.

Nun frage ich mich: wie sah das denn zu Kaisers Zeiten aus? Wenn ein strammer Soldat eine Uniform trug, auch privat, hatte er dann nicht auch einen Fetisch? Das war weder psychisch krank, noch irgendwie seltsam. Auch wenn er diese Uniform beim Sex nicht ablegte stellte das niemand in Frage. Ganz im Gegenteil. Frauen und Mädchen wurden gerade auf dieses Bild geprägt, und standen auf „Kerls“ in Uniform. Es erregte sie, und sie waren williger und einem Abenteuer nicht abgeneigt. Hatten die dann nicht auch einen Fetisch? Das war damals also gesellschaftlich anerkannt. Warum also ist heute das Wort Fetisch so negativ belegt? Was ist mit der Gesellschaft passiert, dass man eine Gänsehaut bekommt, wenn jemand einen Fußfetisch hat, oder sich ekelt wenn jemand Latex liebt? Kurz möchte ich noch auf einen wundervollen Menschen hier in wordpress verweisen: Stringpixel. Sie ist einfach großartig in ihrem Schreibstil und deckt für meine Begriffe den Bereich Fetisch sehr interessant ab. In ihrem Blog schreibt sie über Klamotten und Spielzeug das für mich Richtung Fetisch geht – aber das nur so am Rande.

Wenn man so auf wordpress stöbert, erhält man viele Vorschläge zu Blogs und Artikeln. Einer hat mich sofort fasziniert, und auch den möchte ich Dir nicht vorenthalten. Mike Barkowski. Unter Gedankenmanuskript hat er 9 Menschen aus unterschiedlichsten Schichten interviewt zu diesem Thema. Dabei herausgekommen sind faszinierende Charaktäre die man so auch als Nachbarn hätte haben können. Ehrlich, ungeschminkt und absolut sympathisch. Ich kann mich super mit den Fetischisten identifizieren. Bin ich selber einer? Wer weiß? Je länger ich recherchiere und mich schlau mache, desto unsicherer werde ich. Vielleicht ist jeder einer, nur weiß er es nicht. Oder gibt es nicht zu, was noch viel schlimmer ist. Denn jeder hat doch etwas, das ihn sexuell erregt (siehe Trigger).

Man stelle sich eine Gerade vor, an deren einen Ende BDSM mit nicht als einem Machtgefälle als zentralem Element steht. Am anderen Ende steht der objektgebundene sexuelle Fetischismus, zu dessen Ausübung kein:e Partner:in nötig ist und dessen Ausübung die einzige mögliche Form sexueller Aktivität ist. Dazwischen ist auf der Gerade alles möglich.

https://www.deviance.app/fetisch/

Diese Sätze beschreiben genau das, was ich bei dem Wort Fetischismus empfinde. Ich denke man muss unterscheiden zwischen einem Fetisch der mit einem Partner zu tun hat, und dem Fetisch der mit einer Sache zu tun hat. Es gibt bestimmt Menschen, die glücklich sind an Unterwäsche zu riechen; jedoch Probleme haben, diese Neigung mit anderen Menschen zu teilen. Diese Lust empfinden sie nur Zuhause in ihrem Kämmerchen, allein mit dem Objekt ihrer Begierde. Das ist was privates, das nur ihnen gehört. Ich muss mich erklären, deshalb gebe ich ein Beispiel: Wenn ich einen Porno gucke gibt es zwei Varianten. Die Öffentliche mit meinem Freund und die verschlossene, geheime, nur für mich. Es ist mir peinlich, und ich fühle mich unwohl, wenn mein Freund wüsste, was ich mir so angucke. Vielleicht denkt er, dass ich auf sowas stehe, oder er möchte es mit mir ausprobieren – das darf nie passieren. Das wird nie passieren. Deshalb gucke ich die zensierte Variante mit ihm zusammen, und lasse ihn im Glauben, dass das alles ist, was ich bin. Und ich denke, genau das ist das Geheimnis am Fetischismus.

Da er nicht gesellschaftlich anerkannt ist, sogar als krank und pervers gilt, wollen Normalos damit nichts zu tun haben. Ganz tief in sich drinnen wissen sie, dass es da etwas gibt. Aber sie drängen es zurück, oder machen es eben heimlich. Aber mal ganz ehrlich: man tut doch keinem weh damit! Wenn man jemanden liebt, sollte es ihm egal sein, ob Mann privat Damenunterwäsche und High Heels trägt, so lange, es nicht meine sind. Leider ist es mit der Toleranz nich weit her. Kennst Du „Grüne Tomaten„? Als sie ihrem Mann in Frischhaltefolie gewickelt die Tür aufmacht? Er ist schockiert, schiebt sie sofort wieder nach drinnen, und fragt panisch, ob sie jemand gesehen hat. Sie wollte ihm doch nur gefallen, ihn sexuell stimulieren. Aber es ist schon schwierig wenn der Partner so „extrem“ ist. Windeln, Babyspiele, Petplay, nur um einige zu nennen, gehören schließlich auch in die Kategorie Fetisch. Und deshalb ist es für Normalos schwierig. Woher soll jemand, der in der Öffentlichkeit steht, oder eben keinen Fetisch hat wissen, wie ausgeprägt der bei seinem Gegenüber ist. Da kann man schon Angst kriegen.

Deshalb finde ich es super, dass sich Journalisten mit dem Thema beschäftigen. In der Frauenzeitschrift Brigitte zum Beispiel. Geschrieben hat den Artikel bestimmt jemand, der mit Fetisch nichts am Hut hat. Aber ich habe mich sofort mit meiner Meinung wiedergefunden. Schuhe – ein Tick von Frauen. Darauf aufzubauen ist genial. Zwar stellt sich mir die Frage: ist jeder Sammeltick sofort ein Fetisch? Erregt es Sammler sexuell wenn sie ein neues Stück haben? Das wäre echt eine Frage, der ich mal näher nachgehen müsste. Aber mit wem sollte ich darüber reden? Genau, einem Sexualtherapeuten. Und genau das hat auch die Zeit gemacht. Eigentlich eine sehr seriöse Agentur die sich sonst mit Politik auseinandersetzt. Ach ja, und wenn wir schon bei Beispielen sind: guck doch mal bei wiktionary rein, die haben sehr komische Beispielsätze im Zusammenhang mit Fetisch.

Selbstverständlich beschäftigen sich, beruflich bedingt, natürlich auch Sexshops mit dieser Begierde. Und amorelie, genau die mit dem geilen aber sauteuren Adventskalender, haben dazu einen Podcast geschrieben. Was der Focus kurz und knapp hält, beschreibt amorelie ganz gut. Okay, die wollen schließlich auch die Produkte dazu verkaufen. Trotzdem fand ich es informativ. Kennst Du noch Dr. Sommer? Oh ich wäre so gerne wie sie. Und bei meiner Suche habe ich doch tatsächlich noch einen Bravo-Artikel gefunden, der sich ebenfalls mit dem Thema Fetisch beschäftigt. Bei myself musste ich dann doch schmunzeln. Ja, super recherchiert, und ganz toll beschrieben. Aber das las sich dann doch zu kurios: Liebe mit Bäumen und Somnophilie. Wer hat denn schonmal von sowas gehört?

…obwohl, ja, doch, ganz weit hinten in meinem Kopf regt sich was. War da nicht dieser Kerl, der seine Frauen immer bis zur Bewußtlosigkeit gewürgt hat, weil er nur mit ihnen Sex haben konnte wenn sie weggetreten waren? War eine Serie? Ja okay, aber trotzdem. Könnte wohl so auch real passieren. Aber dann wirds halt nicht nur schräg, sondern echt gefährlich. Schließlich und schlußendlich muss man halt ganz klar sagen: jeder Topf hat seinen Deckel. Einige Fetische ergänzen sich wunderbar, während andere schwer auszuleben sind. Für jeden Fetisch gibts eine Möglichkeit. Wie das aussehen kann, berichtet M. Cane in ihrem Erfahrungsbericht mit der ersten Fetischparty.

Ich bin zu dem Schluß gekommen: jedem sein Fetisch. Vielleicht war ich voreilig einen mir Fremden so zu vervorurteilen. Eigentlich bin ich echt tolerant. Ich bin neugierig, und wenn mir heute jemand eine Einladung zu einer Fetischparty schicken würde, ich könnte mich kaum halten. Ob ich es genießen würde, oder nicht schreiend wegrenne, das kann ich nicht sagen. Aber ich habe schon so viel ausprobiert, und bin immer noch neugierig. Das hat ja nichts mit dem Menschen zu tun. Nochmal, und das in aller Deutlichkeit: Ich mag zwar links sein, und Nazis verurteilen; jedoch ist mein bester Freund einer und so lange wir nicht politisch werden sind wir weiterhin beste Freunde. Er bekehrt mich nicht, und ich ihn nicht. Und genau so denke ich, sollte man es mit Sex, sexuellen Vorlieben und eben auch Fetisch halten: jedem Tierchen sein Pläsierchen ^^

Veröffentlicht von tineschmaus

Vielseitig und Vielschichtig. Gedankenverloren und Gehirnakrobatisch. Steckt in keiner Schublade oder konservativem Denken fest. Guckt gern über Tellerränder und mit wachen Augen in die Welt. Ja, mich gibts wirklich. Nein, ich werde mich weder ändern noch verbiegen. Meine Freunde lieben mich, meine Feinde können mich....!

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