Blinde Date? Aber nur mit Cover!

Früher, als ich noch Single war, trotzdem aber nicht auf den Sex verzichten wollte, war es immer ein Risiko sich auf ein Blind Date zu treffen. Mit dem Aufkommen meiner Leidenschaft für BDSM wurde die Gefahr nicht weniger. Was passiert, wenn da so ein Psycho auftaucht, und Dich in ein dunkles, kaltes Kellerloch einsperrt, Dich vergewaltigt oder gar Dich tötet? Wer findet Dich? Wer wird Dich suchen?

Alle diese Fragen schossen mir als junge Frau durch den Kopf. Leider ist es in unserer digitalen Welt kaum noch möglich, einen Partner (wofür auch immer) auf normalem Weg kennenzulernen. Vielleicht wohne ich auch in der falschen Gegend. Hier wird man schon schief angeguckt, wenn man die Person, die einem jeden Tag begegnet grüßt. Ich möchte gar nicht wissen, was die machen, wenn man versucht ein Gespräch mit denen zu führen. Auch in Vereinen treffen sich immer nur die Menschen unter sich, die sich seit Kindesbeinen an kennen. Neue Leute werden erstmal ausgegrenzt.

Deshalb ist das Internet ein Tummelplatz für Exoten wie mich. Hier guckt keiner nach Haarfarbe, Alter, Gewicht. Also, ja, doch, schon. Aber es ist anders. Hier gibt es für alles und jeden ein Forum. Dicke Frauen mit kleinen Titten, große Frauen mit kleinen Füßen, Männer die gerne Frauenkleider tragen, dünne Frauen die gerne kochen, Männer die Katzen mögen, usw. Auch ich war mal auf Facebook. Oder C Date oder La Blue oder wie sie alle heißen. Klar, wenn man in der Öffentlichkeit arbeitet sollte es doch möglich sein, auch anders Menschen kennen zu lernen. Zumindest dachte ich das immer. Aber die Leute gehen zwar gern in die Kneipe, picheln einen, und erzählen dem Barkeeper ihr ganzes Leben. Aber sich mit ihm zu verabreden ist dann doch zu persönlich. Äh what?! Ich hab das nie verstanden.

Lange Vorrede kurzer Sinn: wenn man sich verabredet, gerade wenn es nicht nur um Kaffee trinken in der Öffentlichkeit geht, dann sucht man sich eine Person des Vertrauens aus, die einen anruft und mal nachhorcht, ob alles in Ordnung ist. Und das ist dann der Cover! Dabei spielt es keine Rolle, ob der Cover männlich oder weiblich ist. Das mit dem Divers lasse ich hier weg. Ich mach den Scheiß nicht mit! Entweder oder. Divers ist genauso wie behindert. Ich finde es als Beleidigung gegenüber Transgendern sich als divers bezeichnen zu müssen. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Sorry, musste einfach mal raus.

Im Google-Übersetzer wird cover als „Abdeckung, Deckel, Umschlag“ aus dem Englischen übersetzt. Was genau dem Prinzip entspricht. Der Partner deckelt den Abenteurer. Man weiß nie, was hinter dem nächsten Busch lauert. Jeder könnte ein Psycho sein. Vielleicht habe ich auch in letzter Zeit zu viele Thriller geguckt und gelesen. Aber mal ganz ehrlich. Die schlimmsten sind immer die netten Onkel von Nebenan. Deshalb fand ich es super spannend, dass es mittlerweile eine SMJG Coveragentur für Jugendliche gibt.

Gerade jüngere, unerfahrenere und ängstliche Menschen sollten die Möglichkeit haben, sich beschützen zu lassen. Niemand möchte einen Schrank neben sich haben, der wie im Film jeden wegschubst. Die meisten kennen so jemanden nicht mal. Aber ich finde es super, dass es Agenturen gibt, die dieses Problem erkannt haben, und eine Lösung anbieten. Mal ganz ehrlich: bei meinem ersten Sexdate hätte ich mir lieber die Zunge abgebissen, als meiner besten Freundin zu erzählen, dass ich mich im Hotel mit nem Kerl auf ne schnelle Nummer treffe.

Eher passiert es, dass die beste Freundin herhalten muss, wenn nicht ganz klar ist, wie das Date verlaufen könnte. Damit meine ich, dass bestimmt einige Dates nur durch den Anruf des besten Kumpel gerettet wurden, und der plötzlich eine „Autopanne“ hatte und dringend Hilfe brauchte. Aber das meine ich hier nicht. Es geht hier in diesem Artikel ausschließlich darum, dass ein Rückhalt, eine Rückversicherung, in greifbarer Nähe zur Verfügung steht. Quasi der Fluchtwagen.

Bei Wikipedia steht dazu, dass Cover die Bezeichnung für den Schutzengel ist. Finde ich übrigens sehr passend. Ich würde sogar noch weiter gehen. Ähnlich wie bei einem Job ist das erste Date ja nur ein Vorstellungsgespräch. In der BDSM-Szene hat sich das allerdings irgendwie immer mehr dazu gewandelt, dass man zwar die Parameter auslotet, und zwar an einem Ort mit vielen Menschen, jedoch das Spiel hinter verschlossenen Türen stattfindet. Deshalb ist ein Cover ja auch so wichtig. Egal ob er nur am Telefon auf den Rückruf und die Entwarnung wartet, oder sogar mit dabei ist. Es kann immer was passieren. Ich würde nie wieder ohne Cover zu einer Session gehen.

BDSM theory geht da sogar noch einen Schritt weiter. Der Autor bezweifelt, dass ein Cover vor Schaden bewahren kann, wenn man an einen wirklichen Psycho gerät. Aber wie oben schon geschrieben: wer sagt denn, dass nicht ausgerechnet mein persönlicher Cover mit dem Date gemeinsame Sache macht? Besonders in der BDSM-Szene sind Vergewaltigungs-Fantasien sehr beliebt. Auch bei den Subs. Wie soll da ein Cover entscheiden? Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Bei mir ist irgendwann eine Schmerzgrenze erreicht. Und wenn ich meine Freundin oder meinen Kumpel in so einer Situation sehe, dann möchte ich eingreifen. Wer sagt mir denn, dass ich damit das Spiel nicht ruiniere?

Bestes Beispiel Michel. Unser neuer Autor hier. Ich könnte niemals bei einer seiner Sessions dabei sein. Wenn ich sehe, wie er Schmerzen hat und leidet, möchte ich gerne der Herrin die Knute aus der Hand reißen, oder Jehan von ihm runterziehen. Aber genau das ist es, was er möchte. Das ist seine Fantasie. Auch wenns jetzt gerade weh tut. Gleich wirds richtig geil, und er genießt es. Was wäre ich da für ein Cover, wenn ich ihn seiner Lust und Befriedigung beraube, nur weil ich es nicht aushalte?!

Ich denke auch als Cover hat man es schwer. In diesem oben erwähnten Fall, wäre für mich „Ferncovern“ besser. Klar, irgendwie ist das auch doof, denn wenn ich x Kilometer entfernt auf einen Anruf warte, wie will ich da eingreifen? Trotzdem gibt es ein besseres Gefühl. Sowohl dem der covert als auch dem, der sich in der Situation befindet. Ich meine im schlimmsten Fall ruft man halt dann die Polizei. Klar, wird doof, und man gerät in Erklärungsnot, aber Freund und Helfer und so……die müssen was tun, und sind vor Ort.

Zum Abschluss noch die Geschichte von M und mir und dem Covern. Bevor M mein Freund wurde, hatte ich viele Sexkontakte. War dauernd unterwegs. Er machte sich echt Sorgen, deshalb erlaubte ich ihm mich zu covern. Fand ich ja auch irgendwie süß. Er wusste immer wo ich wann mit wem war. Ich bekam meistens 5 Minuten nach Datebeginn einen Anruf und wenn ich nach Hause fuhr, rief ich ihn nochmals an. Da ich nie bei jemandem übernachtete, dauerten meine Dates nie länger als max. 3 Stunden. Er war nie mit dabei. Und trotzdem fühlte ich mich sicher. Also für mich hat ferncovern funktioniert.

Ach ja, eine andere Geschichte habe ich hier gefunden. Vielleicht gefällt sie Dir ja

Veröffentlicht von tineschmaus

Vielseitig und Vielschichtig. Gedankenverloren und Gehirnakrobatisch. Steckt in keiner Schublade oder konservativem Denken fest. Guckt gern über Tellerränder und mit wachen Augen in die Welt. Ja, mich gibts wirklich. Nein, ich werde mich weder ändern noch verbiegen. Meine Freunde lieben mich, meine Feinde können mich....!

3 Kommentare zu „Blinde Date? Aber nur mit Cover!

  1. Wenn wir zusammen spielen haben wir alle unsere „Freude“ dabei. Jeder auf seine Art. Ich denke würdest Du es live erleben, würdest Du es auch spüren. Als ich die ersten Bilder von Michel und seiner Herrin sah oder die Schilderunen im Blog, war ich auch zuerst erschrocken. Heute verstehe ich es und bin ja auch selbst beteiligt.

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      1. Nein, ich glaube, das hast du auf gar keinen Fall, es ist der Standpunkt des Betrachters, der es anders erscheinen lässt und je näher man herangelangt, desto deutlicher werden die Strukturen. Ich kenne auch Beziehungen, in denen böse böse Dinge getan werden, aber psychischer Natur, teilweise ohne Kenntnis des jeweiligen Partner, der nicht merkt, was ihm direkt oder mittelbar angetan wird. Mir geht es ausgezeichnet unter der Herrin und Jehan und ich lungere leise nach immer mehr.

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