Master and Servant

Ein Dom muss seine Sub lieben. Das ist die Voraussetzung für das Spiel. Wie auch immer diese Liebe geartet ist. Selbst wenn ein TPE-Verhältnis vorliegt, liebt der Herr/Herrin seinen Sklaven/Sklavin. Sie brauchen einander. Sie erkennen einander an, und mit dieser Anerkennung beginnt das Spiel. Wenn das Vertrauen durch was auch immer erschüttert wird, endet das Spiel, und meistens auch kurz danach das Verhältnis.

Aber was passiert, wenn aus einem BDSM-Verhältnis eine reale Partnerschaft wird? Da ist viel Kommunikation, Einfühlungsvermögen und eine klare Trennung von Spiel und Leben notwendig. Es sei denn, es handelt sich um TPE natürlich. Angeregt durch den neuesten Artikel von EisbärDom über Warnzeichen habe auch ich mich mit dieser Thematik mehr beschäftigt. Nicht, dass ich das nicht schon seit einiger Zeit tue.

Wie meine Leser schon bemerkt haben werden, ist es still hier geworden. Die Einträge werden seltener, und haben so einen melancholischen Hauch. Eigentlich wollte ich doch über Lust und Spaß, über witzige Begebenheiten, ulkige Geräusche und erfüllende Sexpraktiken berichten. Ich wollte Euch teilhaben lassen an meinen Erlebnissen, und zeigen, wie viel Spaß und Erfüllung ein Leben als Sub bringt.

Derzeit macht es mich aber eher traurig. Mein Mann ist überhaupt nicht mein Mann. Er gehört einer anderen Frau. Er ist verheiratet. Eigentlich kein Problem. Ich war immer mit Männern zusammen, die mich weder wollten noch Single waren. Das bin ich gewohnt. Aber diesmal ist es anders. Ich empfinde etwas. Da rumort ein Gefühl in meinem Herzen, das mich dauernd traurig sein lässt. Mein letzter Eintrag, ein Versuch dieses Chaos in mir zu erklären. Und wieder muss ich mich rechtfertigen. „Was willst du eigentlich“ fragt er mich. Dich, sage ich. Aber ich kann ihn nicht haben. Sein Herz gehört der anderen Frau, seine Gefühle nur ihm selbst.

„Zum Sex braucht man Gefühle. Ich kann nur Sex haben, wenn ich in die Frau auch verliebt bin“ sagt er. Ich habe das missverstanden. Seinen Blick, so verliebt und sein Kuscheln. Sein Wunsch, dass ich bei ihm bleibe, seine Eifersucht, wenn ich andere Kerle traf. Das alles war ein Spiel für ihn. Er wollte mich nur für sich haben, damit sein kleines Ego nicht mit Anderen konkurrieren muss. Er war immer der Sieger. Ich habe alles für ihn aufgegeben. Gerne verzichtet. Auf fremde Haut, auf Machtspielchen, auf Zärtlichkeiten, auf Abenteuer.

Schon nach kurzer Zeit hatte er meinen Willen, mein Herz, meinen Verstand. Ich habe es immer als Liebe bezeichnet, weil ich noch nie so empfunden hatte. Ich will mich ihm hingeben, alles tun, um ihn zufrieden zu machen. Mich schlecht behandeln lassen, weil er sich an mir abreagiert, und danach dann wieder fröhlich ist. Niemals mehr fremde Haut spüren, keine Dates mehr, nur noch er. Ich verstehe, dass ich ihm nicht genug bin. Er braucht das für sein Ego. In seinem Job ist er ein großer Macher.

Er hat immer gern mit mir angegeben. Wie hübsch ich bin, und klug. Wieviel Sex wir haben, und dass ich ihn den ganzen Tag befriedige. Selbst unterm Tisch, wenn er in einer Telefonkonferenz ist. Das hat ihn erregt. Heute nicht mehr. Wegen Corona kann er nicht mehr in den Außendienst. Kann nicht mehr den Laborantinnen untern Rock gucken, Kursteilnehmerinnen zum Abendessen ausführen. Er muss Zuhause im Homeoffice versauern und hat nur seine kleine Sub.

Corona hat mich alles gekostet: meinen Job, mein Geld, meine Hoffnung und meine Libido. Mittlerweile bin ich ganz unten angekommen. Ich putze Klos. Was für einen Klosklaven ein Traum wäre, ist für mich ein Alptraum. Ich war mal jemand. Jetzt bin ich niemand. Das nagt auch an meiner Psyche. Ihm ist das egal. Er leidet ja mehr. Homeoffice ist ja so super anstrengend. Da braucht Mann Entspannung. Unverständlich, warum die dumme, kleine Sub vor Schmerzen kaum die Treppe hochkommt, und sich dann auch noch verweigert Sex zu haben. Es stört ihn schon lange nicht mehr, dass ich Schmerzmittel nehme, um BDSM zu praktizieren.

Eigentlich ein no-go! Für ihn ist das perfekt, denn dann kann er seinen kompletten Frust an mir auslassen, und meine Schmerztoleranz steigt quasi ins unermessliche. Einziges Problem: ich habe keinen Orgasmus mehr. Ja, das ist ein Problem. Nicht für mich, denn mir ist das schon lange egal. Aber für ihn. Er ist nur befriedigt, wenn ich mindestens einmal komme. Das ist aber gar nicht so einfach, wenn man immer nach Schema F fickt. Mein Kopfkino spielt da derzeit einfach nicht mit.

Früher habe ich dann einfach einen Orgasmus simuliert. Ich dachte, ich müsste das nie wieder tun. Aber wenn die Schmerzmittel nachlassen, und ich merke, wie sich meine Hüfte auskugelt, wenn ich noch weiter auf ihm rumrödel, dann muss ich schneller machen. Da er nach einmal kommen meistens nicht genug hat, sondern mindestens dreimal kommen muss, bevor er befriedigt heftig atmend unter mir liegt, muss ich dann halt improvisieren.

Was ich hier geschrieben habe ist reiner Frust. Enttäuschung, Wut, Hass, und eigentlich sehr ungerecht meinem Herrn gegenüber. Aber er hat gelogen! Als wir beschlossen ein Paar zu werden, gab er mir das Versprechen, dass er seine Frau verlässt. Ein Leben auf Augenhöhe. Wilden, hemmungslosen Sex. Überall, phantasievoll, erfüllend für beide. Bekommen habe ich einen faulen, depressiven Kerl, dessen Frau ich finanzieren muss, damit sei dreimal im Jahr in Urlaub fahren kann. Einen Typen dessen Selbstwertgefühl davon abhängt, wie viele Frauen ihm pro Tag ein Kompliment machen, und wie sein Job abläuft.

Er begründet es mit Corona. Diese Pandemie kann man nicht ändern. Man muss sich anpassen, und das Beste draus machen. Ich versuche das jeden Tag. Ich dachte, wenn ich ihm vormache, wie man trotzdem Spaß haben kann, macht er irgendwann mit. Aber es ist ihm alles nicht genug. Vor ein paar Tagen sagte er zum wiederholten Mal: „Du kannst mir nicht geben was ich brauche, deshalb suche ich mir eine Andere“. Das saß.

Und das ist der Grund, warum ich hier so ausführlich geworden bin. Ich suche eine Erklärung. Für mich, für ihn, und warum ich nicht weiß, ob und wie ich diesen Blog weiterführen soll. BDSM macht mir derzeit keinen Spaß mehr. Es ist mühsam geworden für mich. Wir haben Seile gekauft, und ich würde so gerne mal Shibari ausprobieren. Aber mal ganz ehrlich: wie soll das gehen, wenn ich nicht mal meine Arme heben kann vor lauter Schmerzen von der Arbeit?

Schmerzen sollten gut tun, Spaß machen, und als Masochist möchte ich sie auskosten. Derzeit will ich nur noch, dass es aufhört. Ich will mich in eine Ecke verkriechen, und meine Ruhe haben. Es tut mir leid, aber der Mann an meiner Seite ist da auch nicht wirklich eine Hilfe. Ich tue alles für ihn, aber da kommt nichts zurück. Ein Leben auf Augenhöhe? „Ich kann das nicht. Ich bin dominant, und das werde ich auch nicht ändern“ sagt er.

Für mich eigentlich kein Problem. Ich mag Männer, die eine eigene Meinung haben, und resolut auftreten. Ich ordne mich lieber unter, als Befehle zu erteilen. Aber ich mache nicht alles alleine. Denn dann hätte ich auch alleine in meiner kleinen Wohnung bleiben können. Das was ich hier habe ist Folter. Denn egal wie ich versuche ihm zu sagen, dass das weder BDSM noch TPE ist, lässt ihn wütend oder beleidigt reagieren. Er wird verbal verletzend, und ich fühle mich noch schlechter. Und so leidet eben auch meine Kreativität darunter, und ich möchte nicht mehr schreiben.

Wie es hier weiter geht, kann ich nicht sagen. Vielleicht so wie am Anfang mit ein paar sachlichen Artikeln wo ich Praktiken erkläre. Vielleicht habe ich auch in der einen oder anderen Weise Erfahrungen damit. Aber ich befürchte die Experimente und der Austausch mit meinem Partner M werden hier in Zukunft fehlen.

Veröffentlicht von tineschmaus

Vielseitig und Vielschichtig. Gedankenverloren und Gehirnakrobatisch. Steckt in keiner Schublade oder konservativem Denken fest. Guckt gern über Tellerränder und mit wachen Augen in die Welt. Ja, mich gibts wirklich. Nein, ich werde mich weder ändern noch verbiegen. Meine Freunde lieben mich, meine Feinde können mich....!

4 Kommentare zu „Master and Servant

  1. Es macht mich traurig wenn ich das lese von Euch. Ich bin zwar noch ziemlich neu im Thema, aber auch eine TPE Beziehung sollte von Liebe geprägt sein. Ich habe das grosse Glück Michel und seine Herrin zu kennen und erleben zu dürfen. Die beiden sind mir ein grosses Vorbild. Frust und eigene „Unzulänglichkeiten“ an dem Bottom auszulassen käme für mich nicht in Frage. Aber vielleicht sind die Übergänge auch fliessend wenn der eigene Sadismus raus möchte und der Bottom dann herhalten muss. Ich wünsche Dir Kraft die Situation zum guten zu wenden und würde mich über weitere Artikel von Dir freuen. Mir hat vieles von dem was Du geschrieben hast geholfen mir über meine eigenen Neigungen klarer zu werden, ein grosse Dankeschön dafür

    Gefällt 1 Person

  2. Man kann die Uhr nicht zurückdrehen und das, was ich selbst nie wirklich konnte, ist, gehen zu können, wenn es an der Zeit ist. Erst mit 44 Jahren lernte ich es, weil es die Entscheidung für mich war, entweder in der Stinowelt weiterhin Fremder und Gefangener zu bleiben oder mit der Herrin im Thema zu leben. Ich bin der, der immer verlassen wurde, weil ich den Zahn der Zeit nie wirklich und richtig erkannte.

    Tine, was ich dir damit schreiben möchte, wenn eine Zeit sich dem Ende nähert, vergeude keine Zeit daran, das Leben ist zu kurz und gerade für uns ist es nicht so leicht, jemanden zu finden, mit dem wir unserer Leben wirklich leben können.

    Eine zweite Frau, das kann alles gehen, wenn alle ehrlich zueinander sind und alle hinsichtlich der Absichten in eine Richtung blicken – Schulter an Schulter. Ich würde es bedauern, wenn du hier dein begonnenes Werk beendest.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

<span>%d</span> Bloggern gefällt das: