Bist Du schon am Boden oder bist Du Bottom?

„Ich bin ein kleines, dreckiges Miststück und ich habe es verdient von Dir geschlagen und benutzt zu werden. Ich diene meinem Herrn gerne. Mein Platz ist knieend vor dir auf dem Boden mit nach oben gerichtetem Blick. Hoffnungsvoll wartend was mein Herr von mir verlangt. Jede Dienstleistung werde ich mit Freuden tun. Ich bin Bottom“

Natürlich kann ich es nicht so schön formulieren wie diener der SHI, weil ich es nicht so lebe. Dennoch war ich in BDSM-Beziehungen immer nur Bottom. Der Bodensatz. Am Boden. Kriechend vor meinem Herrn, lechzend nach seinen Bestrafungen und den Qualen, die er mir zufügt. Krankes Spiel? Mitnichten. Jeder lebt seinen Sex auf eine andere Art aus. Mein Spiel hat sich verändert als ich meinen Mann kennenlernte und begann mit ihm zu spielen. Trotzdem ist er mein Top und ich sein Bottom.

Auf wikipedia sieht man das typische Bild, wenn unsereins an Bottom denkt aus dem Jahr 2002 mit der knieenden Sub. Als ich das damals gesehen habe, wollte ich das unbedingt auch. Diesen Gehorsam, diese Disziplin, verbunden mit den Strafen und der Erniedrigung. Jedoch habe ich für mich ganz klar eine Rangordnung erkannt. Devot ist nicht gleich Bottom und TPE ist das Unterste. Ein Bottom ist natürlich devot. Ganz klar. Jedoch bedeutet es für mich noch mehr. Während eine devote Frau sich zwar unterordnet, darf sie trotzdem ihre Meinung sagen, mitbestimmen wie und was gespielt wird. Ein Bottom darf das nicht. Es ist ihm ausdrücklich verboten eine eigene Meinung, geschweige denn ein Mitbestimmungsrecht zu haben. Diskussionen darüber gibt es viele.

Die Meinungen gehen sehr weit auseinander, wenn es um Bottom, Top, Dom, Sub usw. geht. Ich denke, das ist eine Verständnisfrage, die jeder für sich selbst beantworten muss. Ich selbst möchte kein Bottom sein. Ein Dom sagte mal zu mir: „es gibt Wölfe und Schafe; du bist Gras“. Damals war ich Bottom. Unterwürfig. Unwürdig. Ich wurde geschlagen, verhöhnt, gequält und gezüchtigt. Er wollte mich zu einer demütigen Sklavin machen. Einer willenlosen Sexsklavin, die ihm jeden Wunsch erfüllt, die er verkaufen und wegsperren kann. Aber das bin ich nicht. Dazu ist mein Willen zu ausgeprägt, mein Freiheitsdrang zu intensiv. Für mich bleibt nur eine devote Rolle.

Auch zu diesem Thema habe ich natürlich gegoogelt, und bin auf einen super Artikel gestoßen. Hier wird nicht nur erklärt was damit gemeint ist, sondern auch der Vergleich gezogen, so wie ich es oben versucht habe. Was ich in diesem Zusammenhang super interessant fand war die Tatsache, dass Bottom auch in der Homo-Szene verwendet wird (siehe da). Während manche es neutral halten wollen, hauen andere voll zu und scheuen sich nicht ihr Tun zu hinterfragen.

Topping from the Bottom

Was soll das denn nun schon wieder? Ich dachte, wenn ich Bottom bin, dann bin ich unten, werde mit dem Stiefel immer weiter in den Dreck getreten und muss mich fügen? Nein, Topping from the Bottom ist eine weitere Spielart. Hier geht es plötzlich nicht mehr darum, dass Sub gehorchen muss. Viel mehr switcht der devote Part in den dominanten, und jetzt gibt plötzlich der Untergebene die Befehle und steuert das Spielgeschehen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass jeder Dom sofort aufstöhnt und NEIN schreit. Wer gibt schon gerne die Kontrolle ab, wenn es grad mal so schön ist. Fesselblog nennt es eine „verkehrte Welt“ und hat damit recht. Selbst ich als Wunschzettelsub kann mir schwer vorstellen, wie es ist, wenn ich gefesselt vor meinem Herrn liege und plötzlich sage, dass ich das nicht machen möchte, sondern er sich jetzt mal gefälligst meinen Wünschen zu beugen hat. Mein Mann würde vor lauter Lachen nichts mehr zustande bringen. Es ist ja auch lächerlich. Und ich bin mir nicht sicher, ob in einer echten BDSM-Beziehung Topping from the Bottom praktiziert wird.

Schließlich ist ja die Unterwerfung der Kick, den man beim Spiel hat. Ein Erklärungsversuch von fetisch.de hilft mir da nicht beim Verständnis. Ich will einen Dom. Einen Herrn, der mich mit harter Hand führt. Keinen Waschlappen, der rumdiskutiert: magst du das wirklich Schatz? Nein, ich will Befehle: knie dich hin, blas mir einen usw. Ich will eine Gerte, die mir den Hintern versohlt, wenn ich nicht spure. Und ich will Wäscheklammern als Belohnung, wenn er gekommen ist, und ich eben noch nicht. Das macht für mich ein Machtgefälle aus.

Trotzdem bin ich kein Bottom. Ich sage, wann wir spielen und wie lange. Ich sage Stopp, wenn es mir zu heftig wird, oder wenn was weh tut. Ich halte es nicht aus. Ich ertrage nicht stumm die Pein. Ich bin eben devot. Als Bottom hätte ich diese Möglichkeit nicht. Wahrscheinlich wäre ich dann geknebelt, damit ich meinen Herrn nicht bei seiner Arbeit störe. Als Bottom habe ich keine Wahl wann das Spiel startet und wann es endet. Als Bottom bin ich in der ewigen Warteschlange. Auf Gedeih und Verderb und den Launen meines Tops ausgeliefert. Das ist meine Qual, das ist mein Lustgewinn.

Und egal was jemand sagt, es ist meine Wahl. Ich als Bottom habe immer die Möglichkeit nein zu sagen. Ach, und noch was. Als gestern mein Mann und ich total fertig vom Spielen ausgepowert nebeneinander lagen, flüsterte er: „das war ganz schön pervers“. Nein, das war es nicht. Pervers ist es nur, wenn es nur einer mag, und den anderen dazu zwingt. Ich will es. Ich habe den Vorschlag mit der Plastikdecke im Bett gemacht, und ich habe die Kerzen und die Klammern hingelegt. Ich habe sogar den Tag festgelegt, an dem ich leiden möchte. Also hat die Wunschzettelsub mal wieder ihren Willen bekommen.

Auch in einer Bottom-Top-Beziehung könnte es so ablaufen. Schließlich wählen wir unsere Geschichte selbst. Immer! Und um das mal auf Stino-Ehen zu beziehen: wenn ein Mann täglich seine Frau verprügelt, weil er ein Choleriker ist, dann hat das mit BDSM oder Spielen überhaupt nichts zu tun. Das ist häusliche Gewalt. Aber trotzdem wird ihn seine Frau nicht verlassen, weil sie ihn liebt und den ganzen anderen Mist, den sie sich über Jahre hinweg eingeredet hat. Wenn man Bottom ist, hat man diese Wahl selbst getroffen, die geschlagene Frau hat das nicht.

Ach, und noch was: selbst, wenn ein Schläger immer behauptet seine Frau zu lieben, ist er doch ein menschenverachtender Mistkerl. Ein Top dagegen liebt seinen Bottom. Ein Dom liebt seine Sub. Sie werden immer zusehen, dass es dem unterlegenen Teil gut geht. Und sie leiden seelische Qualen, wenn sie verlassen werden. Deshalb denke ich, dass eine BDSM-Beziehung immer ehrlicher ist, als es eine Stino-Beziehung je sein wird!

Veröffentlicht von tineschmaus

Vielseitig und Vielschichtig. Gedankenverloren und Gehirnakrobatisch. Steckt in keiner Schublade oder konservativem Denken fest. Guckt gern über Tellerränder und mit wachen Augen in die Welt. Ja, mich gibts wirklich. Nein, ich werde mich weder ändern noch verbiegen. Meine Freunde lieben mich, meine Feinde können mich....!

2 Kommentare zu „Bist Du schon am Boden oder bist Du Bottom?

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