B wie bisexuell

Das hier wird ein Herzensthema. Denn die sexuelle Orientierung spielt in jeder Altersklasse und in jeder Gesellschaftsschicht eine sehr große Rolle. Wer mit wem wie Sex hat, bewegt die Gemüter. Schon immer. Dabei sollte es das Natürlichste auf der Welt sein. Ist es aber nicht. Entweder es wird offen darüber geredet und jeder tut seine Meinung darüber kund, oder es wird ausgeklammert und eisern geschwiegen. Beide Varianten sind gleichermaßen falsch. Deshalb liegt mir dieses Thema am Herzen und beschäftigt mich schon mein ganzes Leben lang. Wer bin ich? Wen liebe ich? Wie habe ich mit wem Sex? Warum ist das so? Bin ich kaputt? Für mich als Teenager war es einfacher als jetzt als erwachsene Frau mit über 40 Jahren auf dem Buckel. Aber von vorne:

Laut wikipedia bezeichnet Bisexualität die Liebe zu beiden Geschlechtern. Wobei das Wort an sich geschlechtsneutral ist. Also sowohl ein Mann als auch eine Frau kann als bisexuell bezeichnet werden, oder sich selbst als Bi bezeichnen. In den Medien ist es schon seit vielen Jahren ein immer wieder stark diskutiertes Thema. Und in den Zeiten öffentlicher Liebe, der Heirat von Homosexuellen, und Polyamor-Beziehungen wird es immer schwieriger, sich zu entscheiden was man wirklich ist. Gofeminin hat dazu einen sehr schön geschriebenen Artikel veröffentlicht. Bei meinen Recherchen stieß ich dann unweigerlich auch auf „die alte Meinung“. Bisexualität wäre nicht normal, und findet nur im Kopf statt. Interessanter Weise stammt dieser Satz aus einem Artikel der Ärztezeitung. Aber genau das trifft die Meinung, die mir mit meiner geschlechtlichen Unentschiedenheit entgegenprallt.

Ich kann mich nicht entscheiden. Ich will es auch nicht. Und jedes Mal, wenn ich mich auf einem Portal angemeldet habe, kam irgendwann die Frage: welche sexuelle Orientierung. Hetero – homo – Bi. Was soll ich da antworten? Ich liebe Frauen. Sie riechen gut, fühlen sich gut an, und sie küssen himmlisch. Heißt das ich bin lesbisch? Nein! denn ich habe noch nie mit einer Frau geschlafen. Ich war immer nur mit Männern zusammen. Also was heißt das jetzt? Bi interessiert? Wahrscheinlich, denn wenn ich mich mit lesbischen Frauen unterhalten habe, dann haben die mich als hetero abgestempelt (siehe auch). Ich gehöre also nicht dazu.

Klar habe ich in meiner Jugend mit Frauen rumgeknutscht. Sonst wüsste ich das ja nicht. Und ich hätte mir gut vorstellen können, auch mal eine anzufassen, oder mit ihr Sex zu haben. Aber nur mit einer Frau, das wäre unvorstellbar. Mir würde da etwas fehlen. Also bleibe ich bei den Männern. Schließlich bin ich in einer festen Partnerschaft (siehe auch). Ach ja, das ist auch so ein Thema. Männer können sich sehr gut vorstellen eine zweite Frau im Bett zu haben. Also der berühmte Dreier. Denken die wirklich, dass eine Frau nicht nur den Partner teilt, sondern auch noch eine Frau, also das gleiche Geschlecht, anfasst, wenn sie nicht irgendwie bi veranlagt wäre? Und warum ist es für Männer so unvorstellbar sich eine Frau zu teilen?

Diese Fragen kreisen in meinem Hirn, während ich so über das Thema Bi schreibe. Denn in der deutschen Gesellschaft ist es immer noch verpönt, wenn ein Mann darüber spricht, einen Dreier mit einem anderen Mann gehabt zu haben. Oft werden diese Kerle, dann ausgelacht, so als würden sie es nicht bringen. Ich finde das ungerecht. Ein Mann, der es mit zwei Frauen macht, ist ein Held, und einer der sich mit einem Geschlechtsgenossen die Frau teilt ein Looser? Nein, da kann was nicht stimmen. Und so sehe ich das auch nicht mit dem Bi-sein.

Aber was ist es denn dann? In einem Sexforum bin ich auf Antworten zu dieser Frage gestoßen. Jedoch statt einem AHA, kam es bei mir zu noch mehr Fragezeichen im Kopf. Ab wann fängt bi an, und wo endet hetero? Ist eine Frau automatisch bi, nur weil sie ihrem Mann den Gefallen tut und die andere Frau in seinem Bett berührt, weil ihn das geil macht? Oder ist nur die Frau bi, die mit Strap-on ihre Partnerin fickt und sonst mit einem Mann in einer Beziehung lebt und mit diesem Sex hat. Bin ich schon bi, weil ich gerne mal wieder mit einer Frau rumknutschen möchte, oder erst dann, wenn ich die Frau ausziehe und sie befriedige oder sie mich.

Fragen über Fragen. Eigentlich wollte ich mit diesem Blog doch Antworten geben. Aber diesmal werde ich die wohl schuldig bleiben müssen, weil mir sowohl die Ahnung als auch das Wissen fehlt. Wobei das eher förderlich als hinderlich war, denn Männer finden es sehr erregend, je unorientierter die Frau ist. Im BDSM kann diese Erregung so weit gehen, dass gleichgeschlechtlicher Sex erzwungen wird (siehe hier). Jedoch bleibt für mich die Frage, warum ist es für deutsche Männer so schwierig zum bi-sein zu stehen, während in anderen Kulturen das zum täglichen Leben gehört.

„Du gehörst nicht dazu“ war ein sehr aufschlussreicher Artikel, den ich in diesem Zusammenhang gelesen habe. Denn genau das ist es. Nur ein kleines Beispiel: ich traf mich mit einem jungen Mann zum Essen, und wir unterhielten uns über unterschiedlichste Themen, unter anderem auch über Sex. Er erzählte mir, dass er sehr gern in die Sauna gehe, und vor kurzem ein Pärchen dort kennengelernt hätte. Sie hätten sich dann bei dem Pärchen im Garten getroffen, wo sie auch eine Sauna haben. Als er dann so am Pool stand, und sein Handtuch vom Boden aufheben wollte, näherte sich der Mann von hinten, und steckte ihm den Penis in den Anus. Er war überrascht, wie angenehm und sexuell erregend das war. Vor dieser Situation hatte er nie darüber nachgedacht, sogar es als eklig empfunden, wenn eine Frau an seinem Hintern rumspielte. Durch dieses Erlebnis angespornt, forschte er in dieser Richtung weiter nach, und entschied für sich, dass er bi sei. Jedoch viel es ihm wahnsinnig schwer mit Anderen darüber zu reden. Und in seinem Profil auf einer Datingplattform gab er diese Neigung ebenfalls nicht an. Also was ist los mit unserer Gesellschaft, die mittlerweile sogar Schwule und Lesben (sorry, wenn Du einer dieser Gruppen angehörst, ist nicht abfällig gemeint) anerkannt sind, heiraten dürfen, und nicht sofort einen Shitstorm ernten, wenn sie sich in der Öffentlichkeit küssen.

In der heutigen Zeit hat doch niemand mehr ein klares Ziel. In der Sexualität ist erlaubt was gefällt. Und was hinter verschlossenen Türen abgeht, hat keinen was anzugehen. Wie man seine Befriedigung erlangt, ist individuell. In meinem persönlichen Fall sogar von Tagesform, Wetterlage, Umfeld und den mich umgebenden Menschen abhängig. Also bleibe ich weiterhin unentschlossen, erforsche jede sich mir bietenden Gelegenheit, und bin dann eben bi-interessiert.

Fazit: lebe lieber unentschlossen, denn ein bisschen bi schadet nie ^^

Ein Kommentar zu “B wie bisexuell

  1. Lieber Bi als nie😉

    Mir persönlich ist das im Grunde vollkommen Schnuppe, wer mit wem so rummacht ist eigentlich egal, Hauptsache es wird rumgemacht!

    Die meisten Insassen unsrer Gesellschaft sind doch sexuell absolut überreizt und haben kein dazu passendes Ventil. Das macht die Leute aggressiv, so sehr, dass sich die Dümmsten einer weiter südlich angesiedelten Religion sogar für ein Versprechen von 72 Jungfrauen im Paradies wegbomben. Jungfrauen (!) die können doch nix, und dann gleich 72, welcher Mann, der etwas von Mädels weiss, wäre so vermessen.

    In Theben gab es vor Jahrtause die heilige Schar, 150 homosexuelle Pärchen als Elitekrieger, das erscheint mir ziemlich innovativ 😎

    Gefällt 1 Person

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