A wie Augen verbinden

Eigentlich ist es Weihnachten, und ich hatte beschlossen, die sinnlichen Tage über auszuspannen und nicht zu bloggen. Äh Schreibfehler. Besinnliche Tage, sinnlich ist was anderes. Und genau da war der Haken. Mein Mann und ich wollten wirklich Weihnachtsstimmung. Kauften extra einen Baum, mit Kugeln und Lichterkette. Irgendwie wollte sich kein Hosianna-Hochgefühl einstellen. Mag es an Corona liegen, oder am fehlenden Schnee. Nobody knows. Ich für meinen Teil liege dann den ganzen Tag auf der Couch, esse Weihnachtskekse, und gucke Weihnachtsfilme. Nur nicht dieses Jahr.

Denn was schenkt man dem Mann, der schon alles hat? Genau, ein neues Spielzeug. Ich hatte mir bei eis.de ein paar Liebeskugeln bestellt. So schwere aus Metall. Und war total gespannt. Dabei bin ich über einen Vibrator gestolpert, der sowohl für die Frau, als auch für den Mann zu verwenden ist. Nichts zum einführen, denn dadrauf steht M so überhaupt garnicht! Trotzdem gab es laut Bedienungsanleitung über 10 Varianten. Da erwacht natürlich mein Forscherdrang. Gesehn, gekauft, und so kam es, dass Weihnachten nicht besinnlich, sondern ziemlich sinnlich und versaut wurde. Wir kamen vor lauter Ausprobieren garnicht mehr aus dem Bett – zum Glück ist Corona, und wir haben keine Familienfeier ^^

Aber nun zum Thema. Obwohl, so weit habe ich mich davon nicht entfernt. Denn als ich mit meinem Mann und dem Spielzeug an ihm herumexperimentierte, stellten wir Beide fest, dass es zwar sehr erregend ist, er jedoch niemals einen Orgasmus haben würde, da er zu unkonzentriert war. Und damit sind wir im Thema: wenn man die Augen verbindet, beraubt man seinen Partner eines Sinnesorgans, und somit konzentriert sich der Partner mehr auf Anderes wie Fühlen, Schmecken, und Riechen.

Für einen Dom ist Augen verbinden ein no-go. Er ist schließlich der dominante Part. Derjenige, der das Spiel bestimmt. Er verbindet die Augen, und er erlöst aus dieser Fessel auch wieder. Wenn man jedoch wie mein Mann und ich ein Verhältnis auf Augenhöhe hat, dann geht es nicht nur um schlagen und quälen, sondern kann es gerne auch mal zärtlich und experimentell zugehen. Da wird dann Augen verbinden zu einem Abenteuer, das unartig gesteigert werden kann, oder im Kuschelsex endet.

In Filmen wie „50 Shades of Grey“ oder anderen Erotikstreifen gilt das Augen verbinden als Steigerung der sexuellen Lust. Ja, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Jedoch sollte man immer bedenken, dass nicht jeder so empfindet. Für mich zum Beispiel ist es ganz wichtig, wie mir die Augen verbunden werden. Ich habe extreme Platzangst, und wenn mir jemand eine Maske überstülpen würde, oder ein Tuch meine Nase bedeckt, dann bekomme ich eine Panikattacke. Das ist natürlich nicht Sinn und Zweck dieser Sache. Deshalb sollte man vorher unbedingt klären, ob Augen verbinden gewünscht ist, und ob der Partner irgendwelche Ängst diesbezüglich hat. Währenddessen muss man den Partner auch immer gut im Auge behalten, denn selbst wenn keinerlei Bedenken bestehen, kann es ein Restrisiko geben. Und Atemnot, Herzrasen oder auch nur eine allergische Reaktion auf die Augenbinde müssen unbedingt vermieden werden!

Leider wird in Artikeln immer nur der Vorteil des Augen verbindens beschrieben, und das meist relativ kurz z. B. bei Wunderweib. Was mir in diesem Zusammenhang auch aufgefallen ist, dass sich die meisten Artikel nicht allein mit dem Augen verbinden aufhalten, sondern es nur als sexuelles Experiment deklarieren, das kein eigenes Element des Spiels darstellt. Ich finde jedoch, dass das definitiv nicht wahr ist. Denn manche Dinge kann man nur mit verbunden Augen machen, und in manchen Situationen ist es sogar ein wichtiger Bestandteil des Spiels, wenn es nicht sogar selbst das Spiel ist.

Ich muss gestehen, dass ich noch nie so weit gegangen bin. Deshalb ist das Folgende ein Bericht eines Freundes. Er erzählte mir, dass er auf einer Fetisch-Party war, wo ein Dom seine Sub nicht nur an einer Leine führte, sondern die Frau auch verbundene Augen hatte. Und weil das nicht reichte, konnte sie durch ihre Maske auch nichts hören. So etwas nennt man sensorische Deprivation. Sie stolperte also ihrem Herrn hinterher, aller ihrer Sinne beraubt, zuckte bei jeder Berührung zurück und erschrak dauernd. Für ihn als Sadist war diese Foltermethode sehr interessant anzusehen. Als er mir jedoch die Geschichte erzählte war ich erschrocken und mir wurde sofort mulmig.

Wie viel Vertrauen muss man zu seinem Herrn haben, dass man sich ihm so dermaßen ausliefert? Wie in dem oben verlinkten Artikel von wikipedia, kann dieser Sinnesentzug Haluzinationen oder Schlimmeres hervorrufen. Natürlich ist das nur über einen kurzen Zeitraum. Jedoch wer schon einmal in einem stockfinsteren Raum nach dem Lichtschalter gesucht hat, wird meine Panik verstehen können. Ich für mich kann mir so etwas nicht vorstellen. Und deshalb gibt es Listen wie meine. Das kann manchmal den Abend bzw. das Spiel retten.

Ich für meinen Teil bleibe da lieber bei einer losen Schlafmaske, die zwar nicht komplett blind macht, bei der ich mich aber wohl fühle. Auch so begebe ich mich in die Hand meines Mannes. Jedoch ist in unserem Fall das Spiel ein ganz anderes. Da kommt Öl und Massage, streicheln und Geruch ins Spiel. Ich könnte mir zwar auch gut vorstellen, eine dieser Kerzen zu verwenden, jedoch weiß ich nicht, ob ich mit verbundenen Augen Sex haben möchte. Bei meinem Mann ist es klar. Er braucht das Visuelle. Ohne zu sehen, wie viel Spaß es mir macht, kommt auch er nicht in Stimmung. Deshalb wird dieser Blog erstmal im Schlafzimmer weitergeführt, um zu erkunden, wem was gefällt, und wie man den Anderen blind zum Orgasmus streicheln kann.

Somit wünsche ich Dir, lieber Leser, noch fröhliche Feiertage. Ich möchte mich bedanken, dass Du meine Seite gefunden hast, und Du meinen Beitrag liest. Eine sinnliche Zeit, viel Spaß beim Experimentieren und immer schön kinky bleiben.

Veröffentlicht von tineschmaus

Vielseitig und Vielschichtig. Gedankenverloren und Gehirnakrobatisch. Steckt in keiner Schublade oder konservativem Denken fest. Guckt gern über Tellerränder und mit wachen Augen in die Welt. Ja, mich gibts wirklich. Nein, ich werde mich weder ändern noch verbiegen. Meine Freunde lieben mich, meine Feinde können mich....!

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