A wie anspucken

Diesmal wirds wohl ein kurzer Eintrag, denn wenn es ums Anspucken geht, bin ich raus. Zuerst einmal ist es eine Körperverletzung. Früher im Mittelalter hat man Straftäter an den Pranger gestellt, und diese wurden angespuckt, mit faulem Obst und Gemüse beworfen und beschimpft. Immer noch besser als Hand ab, jedoch genauso demütigend wenn nicht sogar verletzend.

Also was hat es mit BDSM und Sex zu tun. Anspucken ist eine Art der Demütigung und Herabwürdigung des Sklaven. Deshalb habe ich es in meine Liste aufgenommen, und es in sehr vielen anderen Listen gefunden. Einige DOMs stehen da total drauf. Für mich persönlich gibt es keine größere Demütigung als angespuckt zu werden. Vielleicht noch eine Ohrfeige. Aber mehr Herabwürdigung geht kaum.

Ich kann mich noch erinnern, als sich mal ein Kumpel verschluckte, und den Mund noch voll Essen hatte. Er hat gehustet, und so die ihm gegenüber sitzende Frau angespuckt. Mehrfach. Sie hat nichtmal gezuckt. Ich fand das so widerlich und unaussprechlich unhöflich. Hatte ja nichts mit Sex oder einem Spiel zu tun. War in einer Gaststätte. Aber er hätte sich wegdrehen müssen, und sie hätte sich ebenfalls wegdrehen können. Trotzdem haben es beide nicht getan. Also was finden Leute an dieser Variante so toll?

Für mich fängt es damit an, dass eine Frau beim Blasen ihrem Partner auf den Penis spuckt. Auch das finde ich schon eklig. Ja, ich bin da wirklich extrem empfindlich. Warum tut sie das? Nun, damit es schön gleitet. Der Kerl sieht das vielleicht gar nicht so eng, und stört sich nicht daran. Wenn ich merke ich hab nicht genug Spucke im Mund, dann trink ich nen Schluck – also warum soll ich ihn anspucken??? In einigen Pornos hab ich das auch schon gesehen. Mein Mann findet da übrigens auch nix dabei, sondern findet eher meine Einstellung extrem engstirnig. Was witzig ist, denn als ich ihn gefragt habe, ob er mir auf die Muschi spucken möchte, hat er verständnislos den Kopf geschüttelt, und gesagt, das fände er eklig und verstörend. Also sind wir uns dann doch einig.

Die Frage die mir immer im Kopf kreist, ist: wie kommt es vom bespucken der Geschlechtsteile zum Anspucken ins Gesicht? Wieviel Hass und Verachtung muss ein Mensch einem anderen entgegen bringen, dass er ihn anspuckt? Ach, noch ne kleine Geschichte aus meinem ehemaligen Sexleben. Ich hatte mal einen Liebhaber, der leckte mich immer ab. Überall. Und der spuckte logischer Weise auch. Ich habe das bis heute nicht verstanden. Abgesehen davon, dass das ausgesprochen widerlich war, und wahnsinnig geklebt hat. Wäre da Babyöl nicht besser gewesen für die Gleitfähigkeit? na egal. Jedenfalls will ich sowas nicht. Aus, bums, basta.

Ich komme vom Thema ab. Wie Du merkst, beschäftigt mich dieses Thema schon länger, und ist ein rotes Tuch für mich. Mag sein, dass ich ein riesiges Problem mit der Gratwanderung von angenehmer Herabwürdigung und unerwünschter Demütigung habe. Denn das ist in der Szene sehr schwer zu trennen. Jeder hat nun mal Dinge auf die er steht. Und in anderen Beiträgen habe ich jetzt schon erzählt, dass das Spektrum weit gefächert ist, was gemocht wird, und was nicht. Es gibt Leute, die eine richtig heftige Vergewaltigung als persönlichen Kick empfinden – nicht nur der Täter, sondern auch das Opfer. Bei so einer Session wird man bestimmt auch angespuckt. Jedoch kommt in keiner meiner Phantasien da auch nur ein Fünkchen Verständnis oder Lust auf.

Was treibt einen Menschen dazu, sich derart erniedrigen zu lassen? Zuerst dachte ich, es wären Menschen (nicht nur Frauen stehen da drauf) die vergewaltigt und eingesperrt wurden oder ein unterirdisches Selbstwertgefühl haben. Sie suchen Bestätigung darin noch weiter herabgewürdigt zu werden. Beziehungsweise möchte ein Mensch, der immer nur herumgeschubst wird so seine Vormachtstellung manifestieren. Quasi nach oben buckeln und nach unten treten. Vor so etwas habe ich noch weniger Respekt, sondern verachte solche Menschen sogar. Aber hier soll es nicht um mich, meine Meinung und meine Einstellung gehen, sondern auch um den eventuellen Lustgewinn.

Also habe ich mich mit Menschen unterhalten, die Andere gerne anspucken möchten, bzw. wo das Anspucken mit zum Spiel gehört. Sie betteln fast darum, und ohne das, ist das Spiel nicht komplett. Einen genauen Grund können die Befragten nicht nennen. Interessant fand ich nur, dass keiner von ihnen niemals in keiner Situation außerhalb des Spiels einen Menschen anspucken würde. Für sie ist außerhalb des Spiels das Anspucken undenkbar und abartig. Wenn man andersherum die Bespuckten befragt, erhält man Antworten wie: „es ist nicht nur das Anspucken, sondern auch das Sperma, das er in mein Gesicht spritzt“ oder „wenn sie mir auf den Schwanz spuckt ist er viel gleitfähiger, und das Gel schmeckt nicht so toll“.

Im Endeffekt soll jeder machen was er will, mit wem und in welcher Spielart auch immer. Wichtig ist immer: Mach nur was Dir gefällt. Lass niemals zu, dass Dich jemand zwingt etwas zuzulassen, das Du nicht willst. Und wenn die Situation für Dich unerträglich wird, steige aus. Egal ob mit Safeword oder indem Du aufstehst und gehst. Vergiss nie, dass ein Übergehen Deiner Grenzen ungeahnte Folgen hat. Vielleicht spuckt Dich heute ein Liebhaber an, und Du denkst nur „perverse Sau, wie widerlich“ aber wenn Du dann ne Stunde in der Dusche stehst und Dich immer noch dreckig fühlst, spätestens dann ist klar: das ist nicht Dein Spiel. Nie wieder!!!! Also nochmals meine Bitte: das Spiel funktioniert nur, wenn es beide wollen. Wenn sich einer unwohl fühlt, können psychische Schäden entstehen. Auch wenn Deine Freundin von Dir verlangt, dass Du sie anspuckst. Wenn Du das nicht willst – tu es nicht. Redet! Ich denke es gibt noch eine Menge anderer Sachen, die genauso viel spaß machen, da muss man nicht unbedingt ausgerechnet auf der einen Sache bestehen, die einem von beiden keinen Spaß macht.

Veröffentlicht von tineschmaus

Vielseitig und Vielschichtig. Gedankenverloren und Gehirnakrobatisch. Steckt in keiner Schublade oder konservativem Denken fest. Guckt gern über Tellerränder und mit wachen Augen in die Welt. Ja, mich gibts wirklich. Nein, ich werde mich weder ändern noch verbiegen. Meine Freunde lieben mich, meine Feinde können mich....!

3 Kommentare zu „A wie anspucken

  1. Ich persönlich liebe es, von Frauen angespuckt zu werden und habe da viele (für mich) sehr schöne und erregende Erinnerungen an Situationen beim Sex, bei sonstiger Benutzung durch eine Frau oder aber auch im Alltag oder im Beisein von Bekannten.
    Das war früher™, quasi in einem anderen Leben. Die Erinnerungen und Fantasien machen mich immer noch an, aber meine Frau mag das absolut nicht, also gibts das auch einfach nicht mehr. Und das ist vollkommen okay. Es ist nämlich nicht nur wichtig, nichts zu tun, womit man sich nicht wohlfühlt, sondern auch nichts zu verlangen oder zu erwarten, womit der andere sich nicht wohlfühlt.

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