A wie Andreaskreuz

Endlich sind wir im Bereich des BDSM angekommen. Das Andreaskreuz ist aus der Szene kaum noch wegzudenken. Jedoch wie die Anzeige zeigt, hat so mancher Probleme damit. Also fangen wir harmlos an, und steigern uns dann da rein.

Ursprünglich wurden die zwei gekreuzten Balken (Schragenkreuz) schon im 4. Jahrhundert „erfunden“. Und wie sollte es anders sein, natürlich von der Kirche, und zum Foltern – nun so weit sind wir beim BDSM davon ja nicht entfernt ^^. Seinen Namen hatte es da vom Märtyrer Andreas, der an einem solchen Kreuz gestorben ist (wikipedia). Überhaupt taucht das Kreuz sehr häufig auf. In Wappen, Fachwerk, der griechische Buchstabe Chi ist ein x und sogar im Straßenverkehr. Fraglich ist für mich allerdings, wie es dazu kam, dass das Andreaskreuz so sehr in die BDSM-Szene hineingerutscht ist. Meine Vermutung ist ja leider, dass damit die Kirche was zu tun hat. Aber ich versuche hier jetzt nicht pathetisch zu werden.

Das Andreaskreuz gehört zu den SM-Möbeln und kann locker selbst aus Material vom Baumarkt hergestellt werden. Man benötigt einfach nur 2 Latten (kicher) und ein paar Nägel. Dann nimmt man die ca. 2,5 m langen Hölzer, überkreuzt sie, nagelt sie aneinander fest (kicher) boahr, irgendwie klingt heute aber alles zweideutig – und überzieht das Gestell mit Folie, Lack, oder anderem Verkleidungsmaterial. Ich habe auch schon von Teichfolie gelesen. Wichtig ist dabei nur, dass sich das Sub keine Holzsplitter einreißt. Denn das ist dann absolut nicht mehr lustig. Wenn nun das Andreaskreuz so weit fertig ist, benötigt man natürlich noch Hand- und Fußfesseln. Es können alternativ auch Karabinerhaken oder Metallringe angebracht werden. Je nach bevorzugter Fesseltechnik kann so gewechselt werden. Schließlich lebt die Lust nach den Gesetzen des Spiels. Ganz, ganz wichtig!!!!! Bitte befestigt das Kreuz sicher an der Wand. Niemand kann so lange ruhig stehen. Und der Bewegungsradius ist wirklich eingeschränkt. Also wer sein Sub noch länger haben möchte, der achtet auf ordentliche Befestigung. Sowohl beim Zubehör, als auch beim Kreuz – 2 x 2m Holz tun höllisch weh, und kann im ungünstigsten Falle einen Knochenbruch zur Folge haben.

Ganz kurz möchte ich deshalb auch zu dem eingangs gezeigten Artikel kommen. „Lieber Autor, es ist garnicht nötig das Kreuz zu verstecken. Gut getarnt als Kleiderhaken für die Jacken Deiner Gäste fällt das überhaupt nicht auf

Bevor ich von meinen eigenen Erfahrungen berichte, möchte ich natürlich erstmal die Profis zu Wort kommen lassen………äh, irgendwie gibt es über dieses Thema kaum Aussagen. Wie kommt das? Schämen sich etwa die Menschen ob ihres Fetisch? Oder ist es ihnen peinlich? Mag sein. Denn ich habe sehr viele Leute getroffen, die zwar über alles reden konnten, was allerdings im Schlafzimmer passiert, das geht keinen was an. Als ob es mich interessieren würde, dass Ilse es jeden Donnerstag in Missionar mit Hubert treibt, sie keinen Orgasmus hat, er allerdings danach erstmal die Pornoseite aufrufen muss, damit er beim Mastubieren wenigstens die Lust verspührt, die ihm seine Ehefrau schon seit 20 Jahren nicht mehr geben kann.

Meine ersten Erfahrungen machte ich mit einem zusammenklappbaren Kreuz, das mir ein Liebhaber kurz nach dem Betreten seiner Wohnung präsentierte. Dieses Ausgeliefert sein, hat seinen ganz eigenen Reiz. Es ist nicht einfach nur fesseln, und in obszöner Pose seinem Herrn ausgeliefert sein, sondern es hat mit sehr viel Vertrauen und Vertrautheit zu tun. Denn der Gefesselte muss sich hundertprozentig auf seinen Folterherrn verlassen können, dass dieser die Fesseln schnell genug wieder löst, wenn die Situation nicht mehr erträglich ist, oder sogar körperliche Probleme auftauchen. Genauso darf der Herr die Situation nicht ausnutzen, seinen Slave zu vergewaltigen.

Im Fesselblog wird genau diese Situtation eindringlich beschrieben. Und jeder der mit BDSM anfängt, und sich darüber informiert, wird immer wieder hören: pass auf den Slave auf, macht ein Saveword aus, achtet auf Anzeichen z. B. Hautverfärbungen oder gequälte Stille. Es obliegt immer dem Top sich um seinen Bottom zu kümmern und ihn zu pflegen. Ja, klingt in diesem Zusammenhang komisch, aber es ist super wichtig, dass der Bottom sich wohl fühlt.

Als ich so gefesselt am Kreuz hing, habe ich mich nicht wohl gefühlt. Alles in mir schrie nach Flucht. Die Schläge steckte ich ein, als er mich anfing zu penetrieren empfand ich keine Lust, sondern nur Streß. Und genau so eine Situation wünsche ich niemandem. Der arme Kerl wusste es nicht besser. Wir hatten kaum darüber gesprochen. Und er hatte angenommen, weil ich mein Interesse an „hartem Sex“ bekundete, dass ich eine Ahnung hätte. Leider ist dieses Vorurteil immer noch nicht ganz ausgemerzt in der Gothic-Szene. Immer wieder werden diese Leute mit BDSM in Verbindung gebracht, weil sie Nieten, Fesseln und andere Accessiores als Schmuck tragen. Wenn man dann an den Falschen gerät, endet es vielleicht nicht wie in 50 Shades of Grey (roll-eyes) dem Soft-BDSM-Porno, über den die Szene lächelt, und Hausfrauen auch unbedingt erleben wollen. Wie sowas ausgehen kann, erzählt mal wieder der Focus auf seine ganz eigene Art.

Ich persönlich habe trotz der Geschichte die ich oben erwähnte, nur gute Erfahrungen mit dem Kreuz gemacht. Liegt aber auch daran, dass ich immer verständnisvolle Herren hatte, die viel mit mir darüber geredet haben. Und wenn mein Mann mich heute ans Kreuz fesselt, falle ich nach stundenlangem Bespielen in seine Arme und wir kuscheln so lange bis ich wieder genug Kraft habe, um bei ihm die Latte zu einem Happy End zu bringen. Denn er erregt sich hauptsächlich dadurch, dass ich komme. Es gibt sogar Tage, an denen wir gar keinen Sex haben, weil er „satt“ vom Zuschauen und Bespielen ist.

Ich wünsche Dir, liebem Leser, dass auch Du solche guten Erfahrungen sammeln kannst, und Deinen perfekten Spielpartner findest, so wie ich.

Veröffentlicht von tineschmaus

Vielseitig und Vielschichtig. Gedankenverloren und Gehirnakrobatisch. Steckt in keiner Schublade oder konservativem Denken fest. Guckt gern über Tellerränder und mit wachen Augen in die Welt. Ja, mich gibts wirklich. Nein, ich werde mich weder ändern noch verbiegen. Meine Freunde lieben mich, meine Feinde können mich....!

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